Trauer als solche erkennen

Ihr Lieben, über Angst hab ich mich wohl genügend ausgelassen. 🙂

Nun ist es für mich an der Zeit, mal was zum Thema Trauer zu schreiben. Warum Trauer? Weil der Ablauf so ist. Ich fühle mich in die Enge (= Angst) getrieben, versuche mich zu befreien und erlebe dabei Ent-Täuschung. Ich lebte in der Täuschung, von der ich nun befreit bin. Dies ist aber nicht angenehm. So manchem fällt das Weltbild zusammen oder sogar das Selbstbild! Und dann?

In der Hospizarbeit und Trauerbegleitung spricht man von Phasenmodellen. Die sehen zwar verschieden aus und ihr könnt gerne mal googeln, aber sie haben weitgehend folgende Punke gemeinsam:

  • Verdrängung – weil nicht sein kann, was nicht sein darf (ist inzwischen nur noch bei wenigen möglich)
  • Wut – weil Hilflosigkeit gar nicht geht (äußert sich vielfältigst, z.B. in wildem Posten von „Verschwörungstheorien“ 😉 genauso wie in Projektionen auf nahestehende Menschen und entsprechenden Handlungen)
  • Verhandlung – man könnte doch wenigstens… (die Ausnahme von der Ausnahme und jede Menge Ermessensspielraum)
  • Verzweiflung – wenn das ganze Ausmaß an Konsequenzen sichtbar wird
  • Akzeptanz – es ist, wie´s ist und irgendwie muss es ja weitergehen

Die Phasen wiederum haben keine vorgegebene Reihenfolge, können schwanken, ineinander übergehen, verlaufen.

Grade kommt bei vielen alles zusammen, es ekaliert unter Umständen und findet Ausdruck in was auch immer. Gegen die Welt als nach außen sichtbare Handlung, als verbaler oder emotionaler Übergriff oder gegen sich Selbst in Form von Selbstvorwürfen oder Selbstmordgedanken. Die eigene Hilflosigkeit kommt deutlich zum Vorschein und die teils unreflektierte Einpassung ins wankende System…

Ich will an dieser Stelle nur auf die Problematik hinweisen, damit der eine oder andere vielleicht weniger kopflos suchend in der Verwirrung feststeckt. Oder damit die Einordnung des Verhaltens im Umfeld leichter fällt. All das sind Phasen der Trauer! Ihr braucht keinen Therapeuten (und wenn doch könnt ihr mir gerne schreiben), ihr solltet nur versuchen, in die Akzeptanz zu kommen und am besten wäre es, alle Phasen durchzumachen, nicht dass hinterher noch was aufbricht.

Und hey, all diese Prozesse gehen inzwischen so rasend schnell, dass euch eigentlich gar kein „langes Leiden“ mehr erwartet.

Es ist alles gut!
Herzlichst
Yvonne ♥