Mein Garten – Teil 4

Es sollte ein Fortsetzungsroman werden…

Die Gartensaison 2022 war für mich – um´s kurz zu machen – frustrierend! So viel Mühe, so wenig Lohn!

Wahrscheinlich mache ich mir was vor, denn ich habe mir zwar Mühe gegeben, wenn ich mir die Zeit genommen habe, aber das kam nicht allzu oft vor. Viel öfter stand mir der Kopf im Weg, hat Aufgaben gesehen, Abläufe strukturiert und dann hab ich aufgegeben, weil´s unüberwindbar schien. Der Theoretiker hat über den Praktiker gesiegt. (An alle Genderfreunde – ich wähle heute, ein Mann zu sein.) So überwuchern Nachbars Brombeeren meinen Phlox und die Akkelei und die Hyzinthen. Die vertrocknete Weide – 3 Jahre Dürre waren zu viel – steht wie sie steht und das Gras… Tja.

Das mit dem Gras war witzig. Die Kinder kamen aus der Schule und stellten fest, dass die anderen wieder das bessere Mittagessen hatten. Da sagte ich: „Das Gras auf der anderen Seite des Zaunes ist immer grüner.“ Sie stutzen kurz und meinten dann: „Aber unser Gras ist doch viel grüner! Das beim Nachbarn ist braun, weil er so viel mäht.“ 😀

Weniger witzig waren auch in diesem Jahr die Schnecken. (Könnte es am hohen Gras liegen?) In der Abenddämmerung hab ich sie eingesammelt. Während ich in den letzten Jahren zögerlich anfing, mit Kohlenzange und so, bin ich inzwischen derart sauer auf die Biester, dass ich sie mit bloßen Händen einsammel. (Glücklicherweise lässt der Schleim sich mit trockener Erde ganz gut abreiben.) Auf 2 qm 100 Schnecken sind kein Problem! Tomatenpflanzen fielen ihnen zum Opfer, Kohl und die besonderen Gemüsesorten sowieso. Selbst Zwiebeln hatten keine Chance! Mancher Hobbygärtner pflanzt ja Tagetes als „Opferpflanzen“ zwischen das Gemüse. Versucht hab ich das. Aber am 1. Abend sammelte ich geschlagene 16 Schnecken von einer zierlichen Pflanze, am 2. Abend war nur noch nackter Boden zu sehen. Ich hab mit Natronwasser gegossen, Pfefferminze gepflanzt, es mit Schafwolle versucht, auch mit Schneckenkorn – und schlechtem Gewissen. Ich hab Radieschen geopfert, weil ich sie dort so gut absammeln konnte, usw. Jetzt langsam, Anfang Oktober, wird es besser. Aber in meinem Garten ist ja auch nicht mehr viel zu holen.

Bei den Blumen sah es bedingt besser aus. Manches haben die gefräßigen Schleimer verschmäht. Frühblüher stehen bei mir zum Teil jetzt noch. Das liegt aber auch daran, dass ich in diesem Jahr sooo spät war. Teilweise hatte ich erst im Juli die nötige Erde, um die letzten Tomatenpflänzchen in ordentliche Töpfe zu setzen. Sie haben es auch weitgehend nicht zur Reife geschafft. Nun ruhen die grünen Geschöpfe zwischen Äpfeln und unter Zeitungspapier und Tag für Tag wird eine handvoll orange, gelb oder lila. Für Salat geht´s.

Was mich auch immer etwas umtreibt, ist der Gedanke, was mir das verbildlichen will. Mühe ich mich zu wenig, um ordentlich zu ernten? Habe ich grundsätzlich zu viele Baustellen offen? Lohnt es, die eigenen Prioritäten nochmal zu betrachten? Aktuell habe ich ja keinen Selbstversorger-Anspruch und daher auch nicht die höchste Wichtigkeit darauf, den Garten zu gießen, wenn´s vielleicht Not täte. Hm, was Du gießt, das wächst. Und wenn´s eben nicht gegossen wird, muss es keinen verwundern, wenn´s keinen Erfolg bringt.

Allerdings meint es die Natur ja in diesem Herbst nun wenigstens noch gut mit den Sammlern. Besser als mit den Bauern! Die Äpfel biegen die Äste und die Pilze sind auch selten-viel in diesem Jahr. Gestern konnte ich meine letzte Marmeladen-Hoffnung verwirklichen: Zierquittengelee! Lecker! Das andere Marmeladenobst hatte echt null Ertrag im Sommer. Vom großen Mirabellenbaum gab es keine einzige reife Frucht, den Pfirsichen fehlte erst das Wasser, dann verschimmelten sie am Zweig, bevor sie reif waren. Ein Trauerspiel! Und wieder das bittere Geständnis: Wenn teils das Obst reif war, hab ich gedacht, ich könnte es auch morgen noch ernten. Später musste ich schmerzlich feststellen, dass alles seine Zeit hat und diese Saison ohne mich verstrichen war. Ist auch das ein Hinweis für mich?

Insgesamt resümiere ich in diesem Jahr: Man soll das Jahr nicht vor dem Herbst beklagen, denn mit Äpfeln und Birnen lebt es sich auch ganz gut. 😉

Und was die Tierwelt betrifft: Mit den Schlangen konnte ich mich arrangieren. Eine auf der Terrasse – huch – eine im Gesträuch verschwunden – sei es drum. Ich hatte nun genug Zeit mich mit Heilsymbolen, Repräsentation der Lust und meinen entsprechenden Anteilen auseinanderzusetzen. Und die Katzen tun ihr Übriges, um alles mögliche fern zu halten. Aber gestern hatte ich wiedermal einen „zum-ersten-Mal-Moment“. Ich wollte abends unsere Katzen füttern und hörte Schaufeln klappern. War schon etwas verwunderlich. Katzen sind doch Meister im Schleichen! Ich leuchtete mit meiner Handytaschenlampe in die Ecke, aus der das Geräusch kam und dia-artig klackerten die Bilder durch mein Hirn: Katze? – komische Farbe – Fremde Katze? – verschollener Kater zurückgekehrt? – wow, bei dem Schwanzvolumen sehr aggressive Katze! – und fett ist sie! – komische Farbe!!! – ähm – keine Katze??? – uaaAAHHhh – das ist doch nicht… – DOCH! – ein Waschbär!?!! Krass! Nun muss ich mir nur noch überlegen, ob ich das gut finde oder nicht.

So ist ein eigenes Grundstück doch immer wieder gut für Überraschungen.

Liebe Grüße an dieser Stelle und DANKE, dass Du bis hierhin dabei geblieben bist! 🙂

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